Opel Vertragswerkstatt bochum

In Bochum hat sich die Zahl der Beschäftigten von 19.200 (1992) auf 14.200 (im September 1999) auf heute 9.700 (ohne Massenentlassungen, hauptsächlich durch Nichtersetzung von Ruheständlern) “sozial akzeptabel” halbiert. Der Produktivitätssprung bedeutet, dass trotzdem heute noch mehr Autos produziert werden (oder werden könnten). Die Gewerkschaft vermittelt die Verkleinerung und Intensivierung der Arbeit. Als Ausgleich erhielten sie einige Anpassungen am Kollektivvertrag. Die IGM (Metallarbeitergewerkschaft) und der Betriebsrat sowie einige Teilzeitbeschäftigte im Rentenalter waren zufrieden. Das Kapital war jedoch nicht sehr lange glücklich; bei Opel entwickelte sich alles zu langsam, der soziale Frieden wurde zu teuer bezahlt. Forster, der 2001 aus dem BMW-Vorstand übernommen wurde, hat die gesetzten Ziele trotz seines Kostensenkungsprogramms Olympia, das bis Ende 2003 zwei Milliarden Euro an Kosten- und Umsatzverbesserungen erzielt hatte, nicht erreicht. Der Betriebsrat war stets verhandlungsbereit. Im November 2003 führten sie das Programm 30-plus ein, das die Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden reduzierte, da die Zahl der Mitarbeiter in Rüsselsheim nicht ausreichte. Eingeschlossen war ein geringer Lohnausgleich für die Arbeiter. Trotz all dieser “Fortschritte” und trotz des Schaufensterwerks in Eisenach erwarteten sie 2004 Verluste von 400 bis 500 Millionen Euro auf dem europäischen Markt – und die Absatzzahlen der Autos in den USA brachen im Herbst 2004 noch stärker ein. Im IGM-Magazin wurde der Artikel über den Opel-Streik unter der Überschrift “Kampf und Verhandlung” veröffentlicht. Die Gewerkschaft kämpft um ihre Funktion im Kapitalismus und damit gegen die Arbeiter.

Wie die Formulierung des Lohn- und Tarifexperten Hagen Lesch, der für das arbeitgeberfreundliche Institut der deutschen Wirtschaft arbeitet: “Das gehört zu den Aufgaben der Gewerkschaften, radikale Entwicklungen zu zügeln”. September 2004Eröffnung des “Kampfes um den Produktionsstandort” zwischen Trollhättan in Schweden und Rüsselsheim über die gemeinsame Plattformproduktion der nächsten Generation von Opel Vectra und Saab 9.3. Die Entscheidung soll Anfang 2005 fallen. Geschäftsführung und Betriebsrat verhandeln einen Vertrag über die “Produktionsstandortsicherheit”. (Beschäftigung soll durch Kürzungderder boni einschließlich aller Weihnachtsprämien und Streichung von Lohnerhöhungen bis 2009 gewährleistet werden). Das Ergebnis der Verhandlungen bei DaimlerCrysler und VW gibt einen Hinweis darauf, was zu erwarten ist: Jede tatsächliche “Sicherheit” ist natürlich – wie im Vertrag vorgesehen – ausgeschlossen, stattdessen wird die Gewerkschaft als Verhandlungspartner definiert. Das Gewerkschaftsprinzip “gleicher Lohn für gleiche Arbeit” zählt nicht mehr: Wer in jüngerer Zeit eingestellt wird, verdient dauerhaft weniger. Serviceabteilungen werden einen schlechteren Status haben. Die Kernbeschäftigten sind mehr oder weniger in Frieden gelassen, aber sie werden zunehmend von Zeitarbeitern, Arbeitern ausgelagerter Abteilungen und kürzlich eingestellten Mitarbeitern, die weniger verdienen, übertroffen.